Do 17 Jul 2008
Vereinsamen wir?
Abgelegt unter Lifestyle :: ::Unzählige Singlebörsen, Computer- und Schlüsselkinder, ignorante Egoisten überall
Das Jahr 2056 Graue Zeitgenossen
Ein Land bevölkert von Egoisten.
Kein Anstand mehr, keine Helden! Die Worte Bitte und Danke sind aus dem Duden gestrichen. Weder alte Menschen noch schwangere Frauen bekommen unaufgefordert einen Platz in Bus und Bahn angeboten. Ignoranz ist so selbstverständlich wie einst das Amen in der Kirche! Frauen werden in der Öffentlichkeit vergewaltigt und es wird schweigend geduldet. Morde geschehen ungestraft am helllichten Tage Hilferufe werden überhört. Das Artikulieren wird als Zeitverschwendung empfunden. Autounfälle werden einfach unbeachtet liegengelassen. Missbrauch und Gesetzesverstöße in allen Variationen werden für immer unbemerkt bleiben. Der Sexualpartner ist eine visuelle Phantasiefigur in 3-D. Der Nachwuchs, erschaffen in Reagenzgläsern. Kontrollchips sind in den Körpern der Menschen eingepflanzt. Niemand möchte /und kann auch nur eine Sekunde seiner kostbaren Zeit opfern und so eilt ein jeder schweigend von A nach B. Einmischen – niemals! Den Superman spielen? Keiner möchte Unannehmlichkeiten oder ein Risiko eingehen. Warum auch, jeder ist sich selbst der Nächste!
Könnte dass unsere Zukunft sein? Oder sind Auszüge davon bereits Bestandteile unserer Gegenwart?
2005 –Tokio
Hier herrscht die größte Selbstmordrate von Kindern und Jugendlichen, die den Druck der karierebesessenen Eltern nicht länger gewachsen sind. Sie finden keine Zeit zum oder werden jemals den Luxus besitzen sich frei zu entfalten. Der Freitot spielt bis heute in der japanischen Gesellschaft eine besondere Rolle. Studenten bringen sich um, weil sie das Examen nicht schaffen, Geschäftsleute aus Schande über einen Bankrott und Angestellte wegen dem Verlust des Arbeitsplatzes. Von den Industrieländern hat Japan die höchste Suizidrate von allen.
Eine Studie des New Yorker Marktforschungsinstitut „Youth Intellingence“ ergab bei 750 Männern im Alter von 18 bis 49 Jahren, dass acht Prozent der männlichen Teilnehmer die Zeit lieber mit Unterhaltungselektronik als mit Sex verbringen würden. Bereits einer von vier Männern (25 Prozent) würde auf einer einsamen Insel die elektronischen Gadgets der Gesellschaft einer Frau vorziehen.
Sind wir beziehungsunfähig geworden?
Ehen werden langsam oder gar nicht eingegangen und falls doch, entscheidungsfreudig wieder geschieden! Das „JA“ in der Kirche wird zu einem baldigen „Nein“! Die Kommunikation und das Auseinandersetzen mit seinem Partner ist für die meisten Paare energieraubend und unangenehm. Kämpfen, lieben, ehren, respektieren, achten; sind diese Verben zu Mythen geworden? Wird es in 50 Jahren noch so etwas wie „die Goldene Hochzeit“ geben? Einerseits sehnt sich die Menschheit nach der persönlichen Verwirklichung a la Romeo und Julia, doch andererseits stellt sich doch die große Frage ob man sein Leben tatsächlich mit nur einer Person verbringen möchte. Der Reiz nach dem Neuen und Unbekannten ist groß. Die persönliche Bestätigung ob dass Umfeld einen noch attraktiv findet, führt zum Betrug und zu verzweifelten Tränen des hintergangenen Partners. Endlich wieder Single, treibt es einen auf diverse Internetseiten, die dass Verlangen für eine heiße Nacht (aber bitte nicht mehr) stillen kann.
Eltern wo seid Ihr?
Zweijährige starren täglich mehr als zwei Stunden in den Fernseher. Um 22 Uhr sitzen in Deutschland noch 800.000 Kinder im Vorschulalter davor, was für Bilder sie dort zu sehen bekommen ist indiskutabel. Um 23 Uhr sind es noch 200.000 und um Mitternacht immerhin noch 50.000. Jugendliche schauen ab 3,5 Stunden täglich fern. Erwachsene ebenfalls, es sei denn, sie sind arbeitslos: dann sind es 5,5 Stunden täglich. Hervorragende Vorbilder! Unglaublich dass es so viele Erwachsene und Jugendliche gibt, die noch nie ein ganzes Buch gelesen haben. Für was denn auch, Wissen und Bildung kommt doch aus dem TV! Hinzu kommt, dass mittlerweile zehnmal mehr Zeit vor den Bildschirmen verbracht wird als mit körperlicher Bewegung oder mit unseren Mitmenschen.
Wir können es bald Geschichte nennen, rotwangigen Kindern draußen beim spielen zu begegnen. Breit kein Lachen, herumtollen oder Verstecken spielen. Wo sind sie alle? Natürlich zu Hause vor dem PC oder der Gamekonsole, wo sonst. Selbstbeschäftigung nennt man es heute. Denn Freunde, die an der Türe klingeln um einen zum Spielen abzuholen, sind bald so selten zu finden, wie ein wachgeküsstes Dornrösschen und Ihren rettenden Prinzen. Auch die Mahlzeiten werden nicht mit der Familie am Tisch eingenommen, sondern einsam vor den Bildschirm in sich hinein gestopft.
Viele Jugendliche entziehen sich der Realität. Sie leben in einer neuen Form der Gegenwart, der Computerwelt. Diese Heranwachsenden sind der Meinung, dass auf Freundschaften gerne verzichtet werden kann, da diverse Kriegsspiele viel spannender und aufregender seien. Freundschaften zu pflegen hingegen wäre Verschwendung. Schulische Leistungen ziehen extreme Einbusen mit sich und hinzu kommt das soziale Verhalten gegenüber den Mitschülern. Bei Spieldauern ab fünf Stunden bedarf es keiner Verwunderung. Und ob diese Kriegswelt einige Jugendliche kriminell beeinflusst, sei dahingestellt.
Sind dies Resultate unseres neuen Zeitgeistes?
Brutale Handymovies, die von Jugendlichen aufgenommen werden währenddessen sie einen Mitschüler krankenhausreif schlagen. Lehrer die körperlich und seelisch erniedrigt werden. Minderjährige Amokläufer die uns bereits aus den Medien bekannt sind - können wir eines Tages damit rechnen, wenn solche Grenzen bereits überschritten wurden? Können diese Jugendlichen Ihre eigenen Kinder einst zu aufrechten Persönlichkeiten erziehen? Wird es jemals einen Partner für sie geben? Denn wer sich selbst nicht liebt, wird auch keine Liebe weitergeben können.