Mo 27 Okt 2008
Mein Kampf mit dem Alltag!!!
Abgelegt unter Crazy :: ::Ist euch schon aufgefallen, dass einem zur Zeit bei jeder nur denkbaren Möglichkeit das Geld regelrecht mit Greifarmen aus den Taschen gezogen wird?
Unserem Land geht es schlecht, sehr schlecht. In jedem Fall so schlecht, das man an jeder Straßenecke, hinter jeder unbekannten Telefonnummer und bei jeder fremden (oder auch bekannten) Person ungeheuer aufpassen muss, finanziell nicht benachteiligt zu werden.
Beispiel an einer Service-Hotline einer international bekannten Softwarefirma, nennen wir sie „Soft-X“ in Deutschland.
Recht schaffend wie man halt so ist, besorgte ich mir auf dem legalen Weg (Besuch eines Fachhandels mit anschließendem Kauf und Bezahlung des Produktes) ein Exemplar einer neuen Bürosoftware, welche ich so dringend benötigte.
Voller Stolz, kein schwerverbrechender und raubkopierender Illegaldownloader zu sein, öffnete ich daheim so gegen 16.19 Uhr den (verhältnismäßig teuren) Neuerwerb und begann mit dem Studium der „Kurzinfo“ und der daraus resultierenden Installation der Software.
Schon im zweiten Menüpunkt erschien der Hinweis: „Für Fragen zum Produkt, dessen Registrierung, Aktualisierung und weiterführende Informationen nutzen Sie bitte unsere kostenlose Service Line.“
Gut, dachte ich mir, kostenlos ist weniger als nix und Informationen für lau kann man immer brauchen.
Kaum die Nummer gewählt, erzählt mir eine, nicht unangenehme, weibliche Tonbandstimme, dass alle Leitungen (wegen der ungeheuren Beliebtheit des Produktes) belegt sind und ich gerne a) zu einem späteren Zeitpunkt oder b) die technische Hotline anrufen könnte.
Motiviert wählte ich um 16.31 Uhr die zweite Nummer der Firma „Soft-X“ und befand mich dann in der Hölle der automatischen Spracherkennung.
Schon mal mitgemacht? Man fühlt sich ein bisschen wie bei einem freundlichen Stasiverhör. Und das nicht nur wegen der sächselnden Frauenstimme, sondern vor allen Dingen wegen der Vielzahl und Länge der Fragen und der knappen Möglichkeiten zu antworten.
„JA!“, schrie ich in den Hörer und „DREI, nein nicht zwei, DREI!“. Sorgenvolle Blicke von der restlichen Familie trafen mich und einer meinte nur knapp: „Redet man so mit seiner Mutter?“.
„FACHHANDEL“ wollte die Fistelstimme am anderen Ende der Leitung wissen und teilte mir danach mit, das meine Auswahl nicht verstanden werden konnte und ich wieder auf das Anfangsmenü geschaltet werde.
„EINS“, ich begann mit dem Martyrium von vorne. Das nächste „NEIN“ konnte die Maschine wieder nicht verstehen und ich begann aus Protest zu schweigen. Endlose drei Minuten meines Lebens verstrichen, bis mir die (selbstverständlich immer noch freundliche) Stimme mitteilte: „Ihre Auswahl konnte ich nicht verstehen, ich werde sie nun zu einem Mitarbeiter unserer Hotline durchstellen.“
Kolumne Ich sollte tatsächlich in den Genuss kommen mit einem richtigen Menschen zu sprechen (und das nach nur 5 Minuten Quälerei mit einer Maschine) und teilte meine Freude (vollkommen überflüssig) dem Sprachautomaten mit.
So, erstmal die obligatorische Musik, es ist in der Zwischenzeit 16.40 Uhr. Dann, nach ca. 2 Minuten noch mehr Musik. Weitere 60 Sekunden verstrichen und ich dachte mir, der Song muss doch auch mal ein Ende haben und spekulierte welcher Hit von 1974 wohl als nächstes eingespielt wird.
Nach nur insgesamt 5 weiteren Minuten teilte mir eine andere, auch nicht unfreundliche Stimme mit, das leider alle Plätze belegt sind (muss echt beliebt sein das Programm) und ich SOFORT in NUR WENIGEN AUGENBLICKEN mit dem NÄCHSTEN FREIEN MITARBEITER verbunden werde. Im Hintergrund der Bandansage hörte ich Menschen telefonieren und andere Tätigkeiten ausführen, sodass ich ein ruhiges Gefühl breitmachte: DA WIRD GEARBEITET!
Leider wiederholte sich dieses Szenario insgesamt drei Mal und leicht gereizt brüllte ich nach nun mittlerweile fast 20 Minuten vollkommen überflüssigen und vor allen Dingen einseitigen Telefonmonologen „GEHT DA JETZT MAL EINER RANN ODER ICH WERD EUCH vollidioten MEIN TELEFON IN DEN arschscheissen RAMMEN UND DANACH AUF EUREN SCHREIBTISCH scheissen“ in den Hörer und siehe da, eine männliche Stimme meldete sich zu Wort und fragte tatsächlich nach meinem Begehr.
Schnell hatte ich mich gefasst und erklärte in einem kurzen und knappen Satz was ich so alles wollte. „Also Meister, einmal Software registrieren, automatische Aktualisierung anmelden und wenn sie weitere Infos haben dann her damit.“
Der ebenfalls sehr freundliche Mitarbeiter des Call-Centers meinte, zuerst meine persönlichen Daten abgleichen zu müssen und fragte mich geduldig nach meinem Namen, nach der genauen Produktbezeichnung , der 28-stelligen Seriennummer und dem 19-stelligen Aktivierungscode.
Erst als all diese Informationen sorgsam in irgendein fremdes System getippt worden waren, es war nun späte 17.08 Uhr, teilte mir dieser „MENSCH“ mit, das ich dazu doch bitte die Service- Line anrufen soll, hier wäre die technische Hotline.
„Können Sie mich eventuell verbinden“, hauchte ich mit letzter Kraft. „Leider nein, die Kollegen sind nur bis 17.00 Uhr da“, war die (schon fast zu erwartende) Antwort. Er schob noch ein „Probieren Sie es doch morgen ab neun wieder“ hinter her, aber da hatte ich das Gespräch schon geistig beendet und legte anschließend den Hörer auf.
Ich habe das Produkt wieder in den Laden zurückgebracht und umgetauscht.
Das war auch erforderlich, denn irgendwer hat in der Familie am gleichen Tag eine knappe Stunde mit jemandem auf den Fidschi-Inseln telefoniert. Und das Gespräch war fast teurer als die Software…