Sa 26 Jul 2008
Kinder und Lügen haben kurze Beine
Abgelegt unter Lifestyle :: ::Jeder Mensch lügt am Tag rund zweihundert Mal. Ein Kind flunkert erstmals im Alter von drei bis fünf Jahren. Es merkt, dass es mit falschen Aussagen oft besser fährt als mit der Wahrheit…
Faszinierend, da unmittelbar jeder von sich behaupten würde, er lüge nicht. Würde ich Ihnen diese Frage stellen, was wäre Ihre Antwort? Und schon wären wir bei der ersten Lüge des Tages. Das glauben Sie nicht? Dann überlegen Sie doch einmal, ob Sie heute dem Nachbarn höflich “Guten Tag” gewünscht haben, obwohl Sie ihm am liebsten einen schlechten gegönnt hätten. Oder haben Sie auf die Frage “Wie geht es Dir?” etwa mit “gut” geantwortet, obwohl Ihnen heute besonders viele Sorgen und Probleme durch den Kopf gehen und der Rücken bei jeder Bewegung schmerzt? Haben Sie schon einmal auf ein Geschenk freudig erregt reagiert, obwohl Sie es scheußlich fanden? Wie häufig wir Notlügen einsetzen, ist uns manchmal gar nicht bewusst.
Oft schummeln wir um andere nicht zu verletzen, vor allem wenn es um die Äußerlichkeiten geht.
Aus Höflichkeit bei Einladungen zum Essen, aus Angst vor Konflikten und um keine Verantwortung tragen zu müssen. Wir lügen unsere Mitmenschen mit einem “Ich melde mich wieder” an, um dem Gegenüber Enttäuschungen zu ersparen.
Wir lügen, weil wir die Missbilligung anderer nicht ertragen können und um freundlicher, klüger und anständiger zu erscheinen.
Die Definition der Lüge
Eine Lüge ist die bewusste Abwendung von der Wirklichkeit. Diese Erklärung definiert bereits den Gegensatz der Lüge, die Wahrheit.
In der mentiologischen Forschung (diese Bezeichnung stammt aus dem Lateinischen: “mentior” = “lügen” ), unterscheidet man zwischen:
Selbstlüge: Hier bekämpfen wir mit Stress und Überaktivität unsere Angst, beispielsweise vor dem Tod, den wir fälschlich mit Inaktivität gleichsetzen.
Fremdlüge: Damit belügen wir unsere Mitmenschen, wie der Angestellte den Chef, der Schüler den Lehrer, Ehepartner/ innen sich gegenseitig usw.
Kollektivlüge: Dazu zählen die großen politischen Lügen des Faschismus, Kommunismus und Kapitalismus, ebenso wie die suggerierten Trendvorgaben.
Lügen - und dafür können wir das achte Gebot nicht verantwortlich machen – sind seit Menschengedenken verpönt. Trotzdem lügen wir alle das sich die (Stütz-) “Balken” unserer Gesellschaft biegen.
Daher ist es notwendig, gleichfalls ein Ergebnis der Mentiologie, eine moralische Grenze zu ziehen:
Lügen ist erlaubt und auch manchmal nützlich, soweit man mit ihr einem anderen Menschen bewusst keinen Schaden zufügt.
Dieser Alltagsdynamik der (Not-)Lügen kann man sich nicht entziehen.
Unsere Leistungsgesellschaft baut ohnehin von der übertriebenen Werbung bis zur Stellenvermittlung auf den Nutzen kleiner oder auch großer Lügen auf. Doch erfolgt hier normalerweise keine bewusste Schädigung.
Das achte Gebot - Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Ursprünglich bezog sich dieses Gebot auf die Aussage vor Gericht, es betraf also die Rechtssprechung. Der Zeuge musste die Wahrheit sagen, damit kein Unschuldiger zu Schaden kam, sprich sein Leben, seinen Besitz oder seinen guten Ruf verlor. Doch das Gebot kann aktuell sowohl auf die Rechtsprechung, als auch auf das alltägliche Leben bezogen werden, in dem die Rede über den Freund, Kollegen, Nachbarn, Verwandten diesen nicht schädigen, verraten oder verleumden soll. Das im Arbeitsleben stattfindende “Mobben” steht für einen solchen Vorgang der Rufschädigung.
Studien belegen, dass 41 Prozent lügen, um sich jeglichen Ärger zu ersparen, 14 Prozent, um sich das Leben bequemer zu gestalten, 9 Prozent lügen, um anerkannt und geliebt zu werden und 6 Prozent lügen einfach nur aus Faulheit.
Damit müsste selbst der letzte Wahrheitsliebende zugeben das es nun einmal zu unserem täglich Brot gehört, wie das Atmen.
Wie heißt es so schön: „Betrunkene und Kleinkinder sagen meist die Wahrheit“ „Lügen haben kurze Beine“.