Der Wunsch zu beweisen, dass man nichts braucht, der menschliche Hunger einem fremd ist. Der Versuch die eigene Identität zu finden vernichtet letztlich jedes Bewusstsein für das eigene Selbst.

Die Nahrungsaufnahme wird als Eingeständnis der Schwäche und Bedürftigkeit betrachtet, als der Wunsch nach körperlicher Befriedigung, als Zeichen, dass man sich einer niederen unterwertigen Seite seiner selbst unterwirft.

Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine Erkrankung, meistens von Mädchen und jungen Frauen. Auch Jungen und junge Männer werden immer anfälliger. Das Selbstbild und Körperempfinden ist gestört und der Gewichtsverlust wird zum Inhalt des Denkens und Handelns.

Die Betroffenen empfinden sich als “zu dick”, auch wenn sie bereits auf ein lebensbedrohliches Gewicht abgemagert sind. Häufig ist Magersucht gepaart mit dem Zwang in allen Lebenslagen besser zu sein als Andere, besser als die „Undisziplinierten“.

Bei Magersucht handelt es sich um eine psychosomatische Krankheit, um ein seelisch bedingtes Leiden, dass von körperlichen Symptomen begleitet wird.

Die genauen Gründe, die zu einer Magersucht führen, sind heute immer noch unklar. Es wird angenommen, das mehrere Faktoren zusammenwirken müssen, damit sich die Krankheit entwickelt.

Einer der Gründe ist sicherlich, dass aktuell vorherrschende, soziokulturelle Schlankheitsideal und die Einstellung, dass das Aussehen des eigenen Körpers eine fundamentale Bedeutung für den eigenen Selbstwert sowie Erfolg in sozialen Beziehungen und im Beruf hat. In manchen Berufen ist das „Schlanksein“ sogar Voraussetzung für den Erfolg.

Mit Ausnahme der Depression, wird kaum eine andere psychische Störung öfter in der Presse erwähnt, als die Magersucht. Immer wieder wird von “Berühmtheiten”, insbesondere von Modells oder Schauspielerinnen behauptet, sie seien magersüchtig.

Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa ist erstmals 1873 beschrieben worden. Selbst Sissi, Kaiserin von Österreich, so munkelt man, betrieb einen wahren Kult um ihr Aussehen. Die Immerhin 1,72 große Frau tat nach den Geburten ihrer Kinder alles, um wieder auf ihr Gewicht von 47 Kilo zu kommen. Sie machte wiederholt Hungerkuren, so radikal, dass sie später Hungerödeme bekam, hielt lebenslang strenge Diät und hatte ein Trainingsprogramm, das manche ihrer Biografen mit dem einer Leistungssportlerin verglichen.

Die Diagnose der Magersucht wird aber erst seit den 70-er Jahren häufiger gestellt, wobei nicht eindeutig gesagt werden kann, ob die Krankheit in der heutigen Gesellschaft tatsächlich häufiger auftritt oder ob die gestiegene Aufmerksamkeit dazu führt, dass die Krankheit häufiger diagnostiziert wird.

Wörtlich übersetzt bedeutet Anorexie “Appetitverlust oder -verminderung” - eine irreführende Bezeichnung, da nicht unbedingt der Appetit, sondern in erster Linie das Essverhalten gestört ist.

Der Zusatz “nervosa” weist auf die psychischen Ursachen der Essstörung hin.

Die Unterscheidung der Anorexie von der anderen bekannten Essstörung, der Bulimie, ist im Einzelfall oft schwierig, jedoch der Übergang fließend.

Bulimie (Bulimia nervosa)

Bulimie ist durch wiederholte Attacken von Heißhunger (“Fressattacken”), gefolgt von selbst herbeigeführtem Erbrechen, gekennzeichnet. In der Regel spielen sich solche Attacken in aller Heimlichkeit ab. Ein tiefes Schamgefühl nach einer Fress-/Brechattacke ist ein wesentlicher Grund, die Erkrankung auch vor den besten Freunden zu verstecken.

Bedenke: Der Spiegel offenbart Dir nur was Du zu sehen bereit bist. Fühlst Du Dich betroffen? Dann mach den ersten Schritt er ist schwierig, aber es lohnt sich. Vertraue Dich jemandem an. Informationen und Hilfe findest Du bei einem Arzt Deines Vertrauens, sowie bei Deiner Familie, bei Freunden oder im Internet unter

www.magersucht-online.de