Do 23 Okt 2008
Herodot (490-425 v. Chr.; antiker Historiograf, Geograf und Völkerkundler)
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Historische Texte zur Demokratie
Gespräch über die beste Staatsform
Als die Unruhe sich gelegt hatte und fünf Tage vergangen waren, berieten die Teilnehmer am Aufstand gegen die Magier über die politische Ordnung. Dabei wurden Reden gehalten, die zwar manchen Griechen unglaubhaft erscheinen werden, die aber tatsächlich gehalten worden sind.
Otanes trat dafür ein, die politische Verantwortung den Persern insgesamt in die Hand zu geben. Er sagte: >>Mir scheint, es sollte nicht wieder einer von uns Alleinherrscher werden; denn das ist weder erfreulich noch gut. Ihr wisst ja, wie weit die Maßlosigkeit des Kambyses gegangen ist, und ihr habt auch die Maßlosigkeit des Magiers miterlebt. Wie soll auch die Alleinherrschaft etwas Rechtes sein, in der es einem Menschen, der niemand Rechenschaft schuldet, erlaubt ist, zu tun, was er will. Und setzt man auch den besten Mann in diese Herrschaftsform ein, sie würde ihn aus der Bahn der allgemeinen Denkungsart werfen. Denn die Maßlosigkeit überwältigt ihn durch das verfügen über alle Güter, und der Neid ist dem Menschen eingeboren von Anbeginn. Wer diese Eigenschaften beide hat, ist zu jeder Schlechtigkeit fähig; denn er wird viele Untaten begehen, die einen aus Maßlosigkeit, die anderen aus Neid. Zwar sollte ein Tyrann, der im Besitz aller Güter ist, Vom Neid frei sein; aber sein Verhalten den Bürgern gegenüber ist das ganze Gegenteil. Er neidet nämlich den Besten ihren Wohlstand und ihr Leben; freut sich dagegen über die Schlechtesten aus der Bürgerschaft, und im Entgegennehmen von Verleumdungen übertrifft er alle. Das schwierigste von allem aber ist das: zollt ihm jemand Bewunderung mit Maßen, dann ist er verärgert, weil er nicht aufs höchste verehrt wird; verehrt ihn aber jemand aufs höchste, ist er über ihn verärgert, weil er ihn für einen Schmeichler hält. Ich komme nun auf das Schlimmste zu sprechen: er stößt die überlieferte Ordnung um, tut Frauen Zwang an und tötet ohne Richterspruch.
Dagegen trägt die Herrschaft des Volkes den schönsten Namen von allen: Gleichheit vor dem Gesetz; zudem ereignet sich nichts von dem, was ein Alleinherrscher tut. Man besetzt die Ämter durch das Los, macht für die Amtsführung rechenschaftspflichtig und bringt alle Entschließungen vor die Vollversammlung.