Fr 25 Jul 2008
Geht es Ihnen nicht auch so?
Abgelegt unter Lifestyle :: ::Gerade gestern, als ich (selbstverständlich in Zeitnot) an einer Kasse (trotz 10 Meter Schlange war nur eine besetzt) in einem ortsüblichen Lebensmitteldiscounter anstand und darauf wartete, das ich meine 3 Artikel bezahlen darf, geschahen folgende zwei Phänomene fast gleichzeitig:
A) eine zweite Kasse wurde just in dem Augenblick geöffnet, als ich meine Waren schon auf dem Band liegen hatte und B) die Bonrolle musste genau bei dem Kunden vor mir gewechselt werden.
Nebenbei hatten ich auch noch einen Vertreter der Kleingeldwechsler (das sind Menschen, welche bemüht sind, der Kassiererin den Kaufbetrag exakt passend und unter möglichst viel Zeitaufwand Münze für Münze zu überreichen) und einen Verfechter des neuen Pfandsystems („Mir hams gsagt, i ko eus hier abgeben“) vor mir in meiner Warteschlange gehabt, so das ich knapp davor war, mein Mittagessen gleich hier bei der Kasse in dem Supermarkt zu verzehren, da sich die Zeit des Wartens langsam gegen Nachmittag ausweitete.
Geht es nur mir so, oder müssen Bonrollen stündlich gewechselt werden. Wird nur dann eine zweite Kasse aufgemacht, wenn es für mich schon zu spät ist zum Wechseln. Warum geht immer bei mir der Kassiererin die kleinen Scheine aus oder warum fehlt immer an meiner Kasse das ausreichende Kleingeld?
Wahrscheinlich täuscht mich hier mein Verfolgungswahn und ich bin froh nach einer halben Ewigkeit den Laden wieder verlassen zu können.
Jetzt aber spurtig zum Parkautomaten, da die Wartezeit im Supermarkt nicht äquivalent zu meiner bezahlten Zeit steht und hier schnellstens nachgelegt werden sollte. Aber wie so oft steckt die Tücke im Detail. Vor mir einer dieser Auto fahrenden Zeitgenossen, welcher sich noch nie zuvor in seinem Leben mit einem Parkautomaten auseinander setzen musste. Nach gründlichem Studium der ausführlichen (ca. 3 Sätze langen) Bedienungsanleitung, der erfolglosen Suche nach der „Semmeltaste“ und der Jagd nach dem Kleingeld im viel zu großem Portemone, entschied er sich dafür, sein Geld in 60 Minuten parken zu investieren.
So, meine Parkzeit hatte ich verlängert und ich konnte mich zurück an meinen Arbeitsplatz begeben.
Dort angekommen machte ich dann die Bekanntschaft mit dem Telefonwarteschleifenparadoxon.
Dieses verhält sich wie folgt:
Je länger man in einer Warteschleife hängt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, das genau in dem Moment, wenn endlich die Bandansage aufhört, die Leitung getrennt wird und nur noch das Besetztzeichen zu hören ist.
Ergänzung 1:
Wenn der gesamte Anruf durch eine Maschine (sprich: Sprachbenutzerführung) abgewickelt wurde, dann steigt der Quotient um das 10fache.
Ergänzung 2:
Bei kostenpflichtigen Nummern sogar um das 50fache und die generelle Chance mit einem Menschen zu reden sinkt auf 1:100.
Und auch hier im Büro fallen mir all diese Dinge auf:
Es ist immer die eine Akte, welche man benötigt aber nie in diesem Moment findet. Dasselbe gilt für Kaffee, Klopapier oder Büroklammern. Nie da bei Bedarf!
An einem solchen Tag scheint der Feierabend in weiter Ferne und meine Gedanken schweifen ab.
Gerade eben noch vor dem Supermarkt bemerkte ich sofort das dicke Kind, welches sich genüsslich sein Stück Fast Food in den Mund schob. Gefolgt von mehreren Schlückchen Quatsch-Cola (das ist die mit 92% Zuckeranteil) und einem Schokoriegel.
Warum sind es immer die fetten Kinder, die das schlimmste Zeugs essen?
Auch an der Kasse fiel mir schon auf: Da belädt eine Frau mit den Traummaßen eines Öltankers tonnenweise Chips, giftiger Limonade, Weißbrot in Tüten und (wie sollte es anders sein) Türme von Tiefkühlpizzen auf das Band.
Selbstverständlich dabei das quengelnde Kleinkind, welches anscheinend durch den Entzug von Kohlehydraten leidend, noch während des Bezahlvorgangs zielstrebig schreiend nach den Schokoküssen greift. Die mahnenden Worte des Tankers, es gäbe doch gleich Pizza zu Mittag, selbstverständlich ignorierend stopft es sich blitzartig 2 oder 8 Stück der Zuckerschaummasse in den fettenden Mund.
Eine leicht sächselnde und kleinwenig unfreundliche Stimme holt mich schlagartig zurück in den (Büro-)Alltag.
Mein Warteschleifentrauma hat ein Ende und ich spreche mit einem richtigen Menschen. Und das nach nur 11 Minuten kostenpflichtigem Warten. Rekord!
Allerdings wird mir kurz und knapp mitgeteilt, das ich hier keine Hilfe zu erwarten habe und ich sollte mich doch zu den üblichen Geschäftszeiten (es ist gerade 16.01 Uhr) an eine andere (ebenfalls kostenpflichtige) Telefonnummer wenden.
Bevor ich mich allerdings freundlich nach den „üblichen“ Geschäftszeiten erkundigen kann ist die Leitung auch schon wieder tot.
Etwas aus der Fassung gebracht trommle ich auf meine Computertastatur, was einen sofortigen Absturz meines Betriebssystems verursacht.
Selbstverständlich waren weder die Dokumente im Word nach die stundenlang erarbeitete Kalkulation zwischengespeichert und die Arbeit von mehreren Stunden für immer im virtuellen Müllschlucker.
Als ich dann noch meinen kalten Bürokaffe versehentlich auf wichtige Kundendokumente schütte und mir beim Versuch die Blätter zu retten das Telefon in den ebenfalls flüssigkeitdurchtränkten Papierkorb fällt merke ich:
“Das Universum hat heute andere Aufgaben für dich.”
Ich beschließe den Feierabend und beende meinen Arbeitstag.
Am Auto angekommen werde ich noch (kostenpflichtig) daran erinnert, das Parkgebühren stündlich zu entrichten sind und fahre ruhig aber etwas genervt nach Hause.
Das ich an diesem Tag vergessen hatte meine Dachfenster zu schließen und sich aufgrund des Blitzgewitters mit starken Regenschauern meine Wohnung in einen Schwimmingpool verwandelt hatte war nur noch das Pünktchen auf dem I.
Anzumerken sei noch die schwarze Socke in der weißen Kochwäsche, aber die konnte nun den Tag auch nicht mehr verschlimmern.
Alles wird gut!