Gerade heute Mittag ist mir unter dem Schreiben mein Stift geschmolzen und der Notizblock hat sich spontan entzündet.

Von den Wänden rollt die Farbe in breiten schwitzenden Bahnen und der Laminatboden wirft Blasen.

Unser Grafiker hat sich bis auf Weiteres hinter sieben genau aufeinander abgestimmten Ventilatoren verbarrikadiert und eine Mitarbeiterin wurde beobachtet, wie Sie die Kühlschranktür in der Büroküche entfernt hat, um so das Klima zu beeinflussen.

Unser Praktikant schiebt freiwillig seit einer Woche Kellerdienst im Archiv und der Rest der Mannschaft versucht unserer Chefredakteurin mit Geschenken, Überstunden und sogar Sexdienstleistungen davon zu überzeugen, dass gerade sie zur Zeit einen Assistenten benötigt. Ob das nun am Arbeitsaufwand liegt oder an der Tatsache, dass unsere Chefin den einzigen Raum in unserer Firma mit Klimaanlage besitzt ist noch unklar.

Unsere Rechner melden minütlich Systemfehler wegen Überlastung und die größte Strafe in unserem Büro ist es momentan, mit dem Firmensmart Besorgungen zu erledigen. Aufgrund seiner schicken schwarzen Außenfarbe lässt sich die Innentemperatur auf einem herkömmlichen Thermometer nicht mehr ablesen. Der Büro-Kaffee wird mit Eiswürfel auf trinkbare Grade gebracht und unser Wasserspender beim Empfang ist als Treffpunkt in diesen Tagen so begehrt wie ein kalter Brunnen mitten in einem Gebirgsdorf.

Und schon schweifen meine Gedanken wieder ab.

Warum ist es meistens zu heiß? Oder zu kalt? Warum hört man: Es regnet zu viel. Oder das es zu trocken ist? Gibt es nur vier bis sieben „richtige“ Tage im Jahr. Da wo alles klimamäßig perfekt läuft und jeweiligen Region sagen: Heute war es einfach nur schön.

Nur was ist schön für den Einzelnen? Kann das für die Masse gelten oder sind wir als Mensch auch regional gesehen zu unterschiedlich.

Wenn es für die einen zu kalt ist kann der Andere schon schwitzen. Wo es für einen genug ist mit der Sonne, fängt ein anderer gerade an aufzublühen.

Es gibt Menschen die lieben den Regen und andere versinken schon bei ein paar Tropfen in tiefen Depressionen.

Ich merke schon, so einfach lässt sich diese Frage nicht klären und ich begebe mich in der größten Hitze auf die Strasse, um dort vielleicht in der sengenden Sonne eine Lösung zu finden.

Wenig Hunde, aber meist gutgelaunte Menschen tummeln sich da auf den Gehwegen. Alles läuft irgendwie langsamer, geradezu entspannter ab.

Es fehlt der Stress, oder zum Beispiel die Hektik eines Herbsttages in einer Großstadt. Schon mal erlebt? Geradezu grauenhaft und kein Vergleich zu dieser Sommerharmonie, welche ich gerade erlebe. Also suche ich weiter nach den gestresst Verschwitzten, den hektisch Durchnässten, treffe aber nur hier und da mal Bürohengste, welche sich auf der Straße anscheinend Luft verschaffen.

Sehr überrascht hat mich daraufhin Erkenntnis Nummer eins: Hitze ist anscheinend ein Problem in Räumen. Auf der Strasse sind mir wesentlich weniger gequälte Gesichter aufgefallen als bei uns im Büro und darauf folgte gleich Erkenntnis Nummer zwei: Es gibt für jedes Wetter auch den richtigen Aufenthaltsort. Und einer davon ist ein Biergarten, unter Kastanienbäumen, an einem kleinen Bach. Ihr wisst was ich meine.

Und kaum habe ich einen dieser Ort (nur zum Zwecke der Recherche) aufgesucht, erschließt sich mir mit Erkenntnis drei auch die Antwort auf meine Fragen: Es ist scheißegal. Es einfach zu heiß! Zu heiß zum Arbeiten, zu heiß zum Denken und auch wenn es jetzt schneien würde dann wäre es immer noch zu heiß.

Deshalb bestelle ich nun die zweite Maß Radler, denke an meine vor schweiß triefenden Kollegen und nehme mir für die Zukunft vor, keine der großen offenen Fragen der Welt im Sommer klären zu wollen. Schon gar nicht wenn es so heiß ist. In diesem Sinne verordne ich mir Hitzefrei.