Heroin (Diacetylmorphin) gehört zur Gruppe der Opiate und wird aus Rohopium hergestellt. Opium ist der eingetrocknete Milchsaft des Schlafmohns. Im Körper wird es zu Morphin umgewandelt. Der Name Heroin kommt von “heroisch” im Sinne von heroischer Wirkung.

Kaum jemand weiß, dass die Pharma Firma Bayer den Suchtstoff entwickelte. Entdeckt hatte ihn der englische Chemiker C. R. Wright. Am 21. August 1897 hatte Felix Hoffmann (Erfinder des Aspirin), ein Chemiker von Bayer, in seinem Labor die Substanz Diacetylmorphin zusammen gemischt.

Somit war es Bayer als erster Firma gelungen, den Stoff (eine Mischung aus Morphin und Essigsäure) fabrikmäßig herzustellen. Als Fische, Meerschweinchen und Katzen das neue Mittel schluckten und überlebten, mussten Werksangehörige und dessen Kinder ran.

Tote gab es nicht, Süchtige auch nicht, und kaum ein Jahr später brachte der Konzern das Mittel, unter Verzicht auf gründliche klinische Tests, auf den Markt. Bayer bewarb Heroin als Hustenmedizin für Kinder, der Stoff sei ungefährlich, erzeuge keinerlei Abhängigkeit und wäre sogar bei Darmkoliken von Säuglingen wirksam. Heroin wurde schnell zum Kassenschlager. Bayer startete im Jahr 1900 einen bis dahin noch nie dagewesenen Werbefeldzug. Auf dem ganzen Globus lobten Anzeigen in zwölf Sprachen das Mittel in den höchsten Tönen. Bayer verschickte Tausende von Gratisproben an Ärzte, die es schon bald als „Allheilmittel“ einsetzten. Im Jahre 1904 wurde erkannt, das Heroin ebenso wie Morphin zur schnellen Gewöhnung und Abhängigkeit führt.

Zur Droge entwickelte sich Heroin ab ca. 1910 vor allem in den USA, wo Morphin- und Opiumsucht weit verbreitet waren. Denn dort stiegen viele auf die leicht erhältliche Substanz um, als bekannt wurde, dass Heroin geraucht oder gespritzt eine viel stärkere Wirkung hatte. Die Zahl der Heroinabhängigen explodierte, was bald zu Gegenmaßnahmen des Staates führte. Im Jahre 1931 wurde Heroin aus dem Angebot der Firma Bayer entfernt und die Produktion eingestellt. In Deutschland war es jedoch noch bis 1958 erhältlich und wurde erst 1971 mit dem Betäubungsmittelgesetz endgültig verboten. Danach entwickelte sich eine illegale Drogenszene, es kam zu ersten Opfern des illegalen Heroinkonsums.

Reines Heroin ist am Schwarzmarkt kaum erhältlich. Meist ist es mit wirkungslosen Streckmitteln, die eine ähnliche Konsistenz haben, versetzt. Um die Wirkung von minderwertigem Heroin zu steigern, werden oft sedierende Medikamente wie Valium, Rohypnol oder Designeropiate wie Fentanylderivate beigemischt. Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums bestätigt, dass 72 % aller Todesfälle durch “unbeabsichtigte Dosierung”, bedingt durch Qualitätsschwankungen auf dem Schwarzmarkt, verursacht werden. Lediglich 11% der untersuchten Todesfälle waren auf den sprichwörtlichen suizidalen “Goldenen Schuss” zurückzuführen.

Heroin wird heute legal nur noch in einem Land hergestellt – in Großbritannien. Die Briten schätzen es als wirksames Schmerzmittel und verbrauchen rund 300 Kilogramm im Jahr.

Einnahme und Wirkung:
Heroin wird meist intravenös injiziert (“fixen”). Dazu wird es auf einem Löffel mit Zitronensäure oder Vitamin C und Wasser erhitzt. Man kann es auch auf einer Folie verdampfen und inhalieren (“Folie rauchen”) oder wie Kokain schnupfen (“ziehen”). Selten wird es auch mit Tabak geraucht. Der Heroinrausch wird meist als glückseliger Zustand erlebt. Er ist von Euphorie, Ruhe und Ausgeglichenheit geprägt. Depressionen und persönliche Probleme treten in den Hintergrund und Schmerzen werden nicht empfunden. Nach dem Spritzen fühlt man einige Sekunden lang einen “Flash” oder “Rush”. Das ist der Moment, in dem die Wirkung einsetzt.

Beim Rauchen oder Schnupfen kommt die Wirkung langsamer und milder und klingt meist auch sanfter aus. Oft kommt es zu Erbrechen, das allerdings als angenehm und befreiend empfunden wird. Von den heute gebräuchlichen Drogen ist Heroin nach Crack und Crystel Meth die suchterzeugendste. Wenn man beginnt Heroin intravenös zu injizieren, ist eine Abhängigkeit meist schon vorprogrammiert. Die Heroinsucht ist sowohl eine körperliche, als auch eine psychische. Da sich der Körper schnell an die Droge gewöhnt, wird die Wirkung bald schwächer und die erforderliche Dosis erhöht sich. Ein Süchtiger kann täglich mehrere Hundert Euro für Heroin benötigen.

Dies führt oft zu Beschaffungskriminalität und illegaler Prostitution. Bei Entzug treten unerträgliche Gelenkschmerzen, Zittern und Herz- und Kreislaufprobleme auf. Die Entzugserscheinungen sind ohne Heroinersatz wie Methadon kaum erträglich und können sogar zum Tode führen. Der Einsatz von anderen Opiaten als Ersatz ist jedoch nicht unbedenklich, da es zu einer neuerlichen Abhängigkeit führen kann. Besonders bei Ärzten und Apothekern, die relativ leichten Zugang zu reinen Opiaten haben, ist bis heute der Konsum von Morphium und ähnlichen Substanzen nicht selten. Abgesehen von der Sucht haben diese Leute kaum Probleme mit ihrem Drogenkonsum und sind auch nicht auffällig.