Allgemein
Schlangen sind faszinierende Tiere, von daher verwundert es nicht, dass sich immer mehr Menschen für die Haltung von Schlangen als Haustier interessieren. Wie bei eigentlich allen Haustieren, versteht es sich von selbst, dass man sich vor der Anschaffung umfassend über die Haltungsbedingungen informiert, um entscheiden zu können ob dieses auch das geeignete Haustier für mich ist.

Weltweit gibt es rund 2700 Schlangenarten. Hauptsächlich werden die ungiftigen Nattern, sowie Riesenschlangen, wie Pythons und Boas in Terrarien gepflegt. Die Haltung von Giftschlangen sollte nur wirklich sehr erfahrenem Schlangenhaltern vorbehalten sein. Für welche Art man sich letztendlich entscheidet hängt aber von jedem selbst ab. Die Größe der Schlangen, welche in Terrarien gehalten werden ist recht unterschiedlich und  beginnt je nach Art bei etwa 20cm. Manche Arten können auch im Terrarium eine Länge von bis zu 6m erreichen. Hierbei ist es wichtig eine angemessene Unterbringung anzubieten, damit sich das Tier wohlfühlt. Zudem muss man bedenken, dass eine Schlange kein Tier, das man zum streicheln oder spielen aus den Terrarium rausnehmen sollte.

Schlangen sind Reptilien, die ihr Leben lang wachsen. Da die Haut nicht mitwächst, wird diese regelmäßig abgestreift. Eine Häutung findet in unterschiedlichen Abständen statt, je älter die Schlange wird umso langsamer wächst sie und dementsprechend seltener häutet sie sich. Schlangen können in Gefangenschaft recht alt werden. Es gibt Berichte wonach einige Riesenschlangenarten ein Alter von 40 Jahren erreicht haben. Auch das sollte jedem Schlangenpfleger in Spe bewusst sein.

Des Weiteren sollte man sich auch Gedanken um den Artenschutz machen. Einige Arten stehen auf der internationalen Artenschutzliste und dürfen nur mit einer CITES Bescheinigung erworben und gehalten werden. Jedes gutgeführte  Zoofachgeschäft oder ein Terraristikfachhandel wird Sie beim Kauf einer Schlange auf die CITES hinweisen. Auch sollten Sie vorm Kauf so genannter „Farmzuchten“ Abstand nehmen, da es sich nicht wie der Name vielleicht Glauben machen möchte um einen Zuchtbetrieb handelt, sondern werden hier meist wildlebende schwangere Weibchen eingefangen.

Der Kauf von Wildfängen ist aus Tierschutzgründen abzulehnen.

Haltung
Je nach Größe und Art braucht eine Schlange bestimmte Vorraussetzungen um sich Artgerecht zu entwickeln. In jedem Zoofachgeschäft erhalten Sie entsprechende Terrarien. Die Mindestgröße eines Terrariums für 2 Schlangen kann man mit der Formel  1,0×0,5×0,75(LxHxB) bezogen auf die Länge des Tieres errechnen.  Man sollte bei Jungtieren nie ein zu kleines Terrarium kaufen, da diese sich öfters Häuten und damit auch schnell „aus dem Terrarium herauswachsen“. Wenn sie Handwerklich begabt sind, können sie aus Holz artgerechte Terrarien auch selber  bauen.

Holzterrarien eignen sich besonders gut, da sie die Wärme besser halten als Glasterrarien.

Zu jedem Terrarium gehört noch vieles was man beachten muss, bevor die Schlange ihr neues Heim bezieht:

  • der Bodengrund

Hängt von der Art der Schlange ab. Borkenstreu wird gern genommen, da es pflegeleicht ist und eine gute Wärmeleitfähigkeit hat. Terrarienerde ist bei feuchtigkeitsliebenden Schlangen und Regenwaldbewohnern ein beliebter Bodengrund. Rindenmulch (Steril) ist gut geeignet für Kletternattern und Riesenschlangen. Sand ist nur für Wüstenbewohner gut. Kleintierstreu kann auch verwendet werden, es ist praktisch und kostengünstig für Boa- und Pythonarten, da diese sich gut darin vergraben können.

  • Beleuchtung und Beheizung

Ein Terrarium wird von oben Beleuchtet und unten gewärmt. Je nach Art der Schlange muss man beides kombinieren. Die Bodenwärme wird über ein hochwertiges Thermostat kontrolliert und kann entweder über eine Heizmatte oder ein Heizkabel gewährleistet werden. Für die Beleuchtung reicht eine 40-60 Watt Glühbirne mit Reflektor aus. Die Schlange darf nie im direkten Kontakt zur der Glühbirne kommen, da sie sich verbrennen würde. Die Zimmertemperatur, in welchem das Terrarium steht, darf nicht unter 22°C sinken.

  • Luftfeuchtigkeit

Hierfür gibt es keine pauschale Antwort, da es hier vom Tier zu Tier unterschiede gibt. Erst mit der Zeit entwickelt jeder Schlangenhalter ein Feingefühl für die Aufrechterhaltung der Luftfeuchtigkeit im Terrarium.

  • Die Inneneinrichtung,

Bleibt jedem selbst überlassen. Aber auch hier muss man einiges beachten. Die Schlange braucht Versteckplatz, Kletteräste, Wasserbecken erhöhte Liegeplätze und ggf. Pflanzen. Hier besonders auf ungiftige Verarbeitung achten, sowie keine scharfkantigen Materialien verwenden. Pflanzen sollten unbehandelt und ungiftig sein und keine scharfen Blätter besitzen.
Liegen die Schlangen ungewohnt oft im oder unterm Wassernapf ist, ist das nicht selten ein Zeichen für Unwohlsein. Hierbei sollten Sie die Schlange beobachten, um die Ursache des Unwohlseins heraus zu finden.

Die Zusammenhaltung  mehrerer Schlangen verschiedener Arten ist nicht unbedingt ratsam und  nur unter Beachtung  verschiedener Faktoren  zu empfehlen.

  • Herkunftsland,
  • Verbreitung (unterschiedliche Temperaturen, feuchtes / trockenes Klima usw.),
  • verschiede Größen
  • ansteckende Krankheiten
  • Parasiten.

Mehrere  Schlangen der gleichen Gattung können in der Regel in einem entsprechenden Terrarium gemeinsam gehalten werden. Man sollte für mehrere Tiere natürlich  ein größeres Terrarium verwenden als nur für ein Tier.

Ernährung
Es gibt natürlich unterschiede der Futterzunahme. Während die Nattern und viele Blindschlangen sich mit Heuschrecken, Grillen und Schaben zufrieden geben, benötigen die Schlangenarten ab etwa 1,5 m feste Nahrung. Dazu zählen Mäuse, Ratten, Kaninchen und andere Nager. In der heutigen Haushaltung von Schlagen wird oft mit Toten Futter gefüttert, dieses nimmt jedoch nicht jede Schlange an. Hierbei sollte jeder prüfen ob er es mit sich vereinbaren kann Meerschweinchen, Hamster oder andere Nager lebendig zu verfüttern .

Dieses muss unter Beobachtung passieren, damit die lebendige Beute die Schlange im seinem Abwehrverhalten nicht verletzt.

Eine Schlange frisst nicht jeden Tag, sie verdaut ihre Beute sehr schnell. Trotz schneller Verdauung können Schlangen längere Zeit ohne erneuter Nahrungsaufnahme überleben. Eine Natter benötigt alle 14 Tage eine Mahlzeit, für eine Boa ist es ausreichend diese alle 3-4 Wochen zu füttern. Hierbei ist es jedoch wichtig auf den Wachstumstatus zu achten. Jungtiere müssen öfters gefüttert werden als erwachsene Tiere!

Wenn die Schlange nicht frisst, kann dies unterschiedliche Ursachen haben:

  • Kurz vor der Häutung wird keine Nahrung mehr aufgenommen
  • Weibchen, die trächtig sind oder sich kurz vor der Eilegung befinden (manche auch während der gesamten Trächtigkeit!)
  • Paarungsbereite Männchen
  • Nicht jedes Tier nimmt tote Nahrung auf, somit ist man gezwungen Lebendfutter anzubieten
  • Winterruhe, ab dem Spätherbst bis zum Frühjahr
  • Temperaturschwankungen im Terrarium
  • Zu helle Beleuchtung, Schlangen sind Nachtaktive Tiere
  • Nicht angemessenes Futter (hierbei verhungert die Schlange lieber als das sie unbekanntes Futter annimmt)

Jede Schlange kann auch von Würmern  befallen sein, dabei wird auch Nahrungsaufnahme reduziert, bzw. trotz Nahrung nimmt die Schlange ab. Eine Untersuchung des Kots durch einen Tierarzt wird Klarheit verschaffen.

Aussehen

Es gibt einfarbige Schlangen, die keinerlei Muster aufweisen (z.B. Blindschlangen, die in Asiatischen Gebiet vorkommen) außerdem gibt es viele verschiedenfarbige mit unterschiedlichen Mustern gezeichnete Schlangen. Viele werden heute zur bestimmten Zeichnung hin gezüchtet, damit sie gut aussehen. Es kommen unter jeder Schlangenart Albinos vor. Diese sind durch ihre Weiße Schuppenfarbe zu erkennen, welche dann mit heller Zeichnung (oft Gelb) zu sehen ist. Es gibt in den USA extreme Farbzüchtungen, für die Liebhaber bis zu mehreren Tausend Euro bezahlen.

Schlangen nehmen ihre Umwelt mit ihren gut ausgeprägten Sinnesorganen wahr. Nur wenige Schlangen können richtig sehen, meist erkennen sie nur ungenaue Umrisse. Der Geruch wird hauptsächlich über die Zunge aufgenommen, welche die außen aufgenommen Duftstoffe an den in Gaumen sitzenden Jakobsonsche Organ weitergeleitet. Dieses Organ verbindet die Zunge mit dem Gehirn und ermöglicht somit die Zuordnung der Duftstoffe. Das Hören ist nicht vergleichbar mit unserem Gehör. Schlangen hören nicht, besitzen trotzdem das Mittelohr. Damit erkennen sie ihre Beute an der Bewegung, die sie durch ausgelöste Vibration auf den Boden (durch Stampfen, Springen, Rascheln) hervorgerufen wird. Das Vibrieren wird von Kieferknochen an das Mittelohr übertragen. Durch ihre Haut nimmt die Schlange jeden Temperaturunterschied wahr. Die Schuppige Haut ist meist glänzend, fließend und warm. Es gibt Arten, welche trockene und stumpfe Schuppen haben. Dies ist von dem Herkunftsland und der Art der Schlange abhängig.

Giftige und ungiftige (Würgeschlangen) Schlangen haben Zähne. Die Zähne sind spitz wie Nadeln und leicht nach innen geneigt. Bei Bissen von ungiftigen Schlangen ergeben sich Hufeisenartige Muster auf der Bissstelle. Bei einem Biss von ungiftigen Schlangen sind außer einer starken Blutung keine Nebenwirkungen zu erwarten. Bei großen Tieren entstehen nach einem Biss jedoch Schnittverletzungsähnliche Wunden. Wenn Sie gebissen werden, sollten  Sie die Wunden sofort desinfizieren! Größere Wunden müssen Fachgerecht von einem Chirurgen behandelt werden.

Eine Giftschlange besitzt in ihren Zähnen ein tödliches Gift für ihre Beute, welches durch das Zubeißen in die Beute gestoßen wird. Die Giftzähne sind größer als alle anderen und befinden sich im vorderen Bereich des Gaumens.

Von den weltweit ca. 400 giftigen Arten können die Bisse von ungefähr 50 einen  Menschen töten.

Wie oben beschrieben, nehmen die Schlangen ihre Beute durch die Vibration auf den Boden auf. Normalerweise sehen wir Menschen eine Giftschlange nicht in ihren freien Lebensraum, weil wir durch die erzeugte Vibration viel zu große Beute für sie darstellen und die Giftschlange sich zurückzieht, bevor ein Mensch ihr zu nahe kommt. Nicht jede Giftschlange flieht.

Hier ein paar Tipps:

  • Niemals eine Schlange in freien Wildbahn anfassen
  • Immer auf ausgewiesenen Wegen bleiben
  • Bei Nacht immer die Strecke beleuchten (Schlangen sind Nachtaktiv)
  • Vorsicht beim aufheben von größeren Gegenständen (Steinen, Holz)
  • Vorsicht beim Klettern, immer erst hinsehen, dann fassen

Giftschlangen sollten wirklich nur von versierten und erfahrenen Schlangenhaltern gepflegt werden.
Sollten Sie trotz aller Vorsichtsmassnahmen gebissen werden, so werden Vergiftungserscheinungen auftreten. Hier gibt es 2 unterschiedliche Komponenten, Neurotoxine und Hämatoxine. Beide Gifte sehen sehr ähnlich aus, sie sind eine trübe, gelbliche bis klare Substanz.

Die Neurotoxine sind klar bis transparent. Dieses Gift wirkt auf das zentrale Nervensystem. Das Opfer erkennt die Auswirkung des Bisses an der Lähmenden Funktion des Gehirnes, welcher hauptsächlich für die Erhaltung von Leberfunktion benötigt wird. Hierbei erstickt das Opfer aufgrund von Lungenversagen, die Lunge bekommt keine Befehle mehr zu arbeiten und stellt ihre Funktion ein.

Die Hämatoxine sind gelb bis orange farbig und in der Regel klebrig. Anders als bei den Neurotoxinen sind die Bissstellen hierbei gut sichtbar, weil sehr starke Ödeme und Schwellungen auftreten. Dazu leidet das Opfer unter sehr starken Schmerzen. Bei diesem Gift versagen mit der Zeit verschiedene Körperfunktionen. Es treten Blutungen aus Mund, Nase und Harn auf, sowie Erbrechen und starker Durchfall. Durch den Blutdruckabfall wird man bewusstlos.

Bei jedem Biss einer unbekannten Schlangenart muss schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Bitte merken Sie sich hierbei genau das Aussehen der Schlange, die Sie gebissen hat, damit Sie diese beim Arzt beschreiben können um das richtige Gegengift schnellstmöglich zu erhalten.