Mit Pornografie verhält es sich doch so ungefähr wie mit dem Thema „MC Donalds“. Angeblich geht keiner hin, aber es ist immer was los.

Auch in der Pornowelt ist dieses Phänomen zu erkennen. Die wenigsten möchten mit diesem Begriff in Verbindung gebracht werden oder „outen“ sich gar, solch Material egal in welcher Form zu konsumieren. Eine Statistik hingegen belegt, das z.B. jeder dritte Film, der sich in Deutschland ausgeliehen wird, um harten Sex handelt. Die Sexshops u. Bordelle erfreuen sich immer wachsender Umsätze u. Kundenzahlen. Das öffentliche Fernsehen kommt ohne Sex nicht mal am Nachmittag aus und es fällt schwer die Grenze zwischen Aufklärung und Pornografie zu erkennen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle mal ein wenig detaillierter auf dieses Thema eingehen und war überrascht, als ich bei meinen Recherchen auf eine unglaubliche Masse von ernstzunehmenden Texten, Büchern, Doktorarbeiten etc. gestoßen bin.

Ein paar kurze Definitionen zum Anfang:

„Pornografie“ wurde aus dem griechischen Wort „pornogràphos“ (über Huren schreibend, Hurenschrift) abgeleitet. Entstanden ist dieser Begriff in der Viktorianischen Zeit, als Archäologen in den alten Ruinen von Pompeji unter den wunderschönen Fresken und Kunstgegenständen unzählige Malereien und Skulpturen ans Tageslicht förderten, welche sexuelle Handlungen explizit darstellten. Empört über diesen „Schmutz“ ließen die Behörden diese Artefakte in geheimen Museen verschwinden. Zur Klassifizierung dieser obszönen Kunst prägten sie den Begriff „pornogràphos“.

Fast solange es Menschen gibt, wurden Erotik und Sexualität in den verschiedensten Formen dargestellt. So sind bildnerische und textliche Darstellungen aus dem indischen Kamasutra oder die sehr erotischen Darstellungen aus dem frühen China oder Japan bekannt. In der abendländischen Kultur war die Darstellung von Sexualität und sogar von Nacktheit bis ins 18. Jahrhundert hinein die Ausnahme, da sie der christlichen Moralvorstellung widersprach. Aber auch noch im aufgeklärten 20. Jahrhundert hat es immer wieder – teilweise von einem großen Skandal begleitet – juristische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen um dieses Thema gegeben.

Heutzutage definiert man den Begriff „Pornografie“ als „primitive“, die geschlechtlichen Begierden reizender Darstellung der Geschlechtsteile od. sexueller Vorgänge in Wort u. Bild.

Pornografie ist so alt wie die Menschheit (konkret: die Kunst des Geschichten-Erzählens). Lange Zeit litt sie aber unter einem entscheidenden Defizit, nämlich einer mangelhaften Wirklichkeitstreue ihrer Darstellungen. Außerdem waren ihre Produkte, z.B. Zeichnungen und Gemälde, nur wenigen Privilegierten zugänglich.

Das hat sich geändert:

Moderne, leistungsfähige Technologien zur Herstellung und Verbreitung ermöglichen es heute jedermann (einschließlich Jugendlichen und sogar Kindern) alle Formen sexueller Betätigung heranzuziehen, und zwar in graphischer Detailfülle, in authentischen Farben und bewegten Bildern – so perfekt wie noch nie. Jedes Mitglied der Gesellschaft ist, so scheint es, aufgeklärt über sexuelle Möglichkeiten, die meist noch jenseits der eigenen begrenzten Vorstellungen (und praktischer Realität) liegen.

Über die Folgen ist man sich allerdings uneins. Die Meinungen gehen weit auseinander. Die einen befürchten die Gesellschaft würde „übersexualisiert“ und sexuelle Anomalien würden sich zu Alltäglichkeiten und damit zu einem Problem für die Gesellschaft entwickeln. Andere betrachten „die Diffusion von Pornografie in die Gesellschaft als befreiende Revolution, die neue Wege zu einer immer weiter wachsenden sexuellen Gratifikation aufzeigt und anregt.“ (Zitat: D.Zillmann).

Viele, wahrscheinlich die schweigende Mehrheit in der westlichen Welt, insbesondere den europäischen Kulturen, haben Pornografie offensichtlich als einen Teil der so genannten sexuellen Revolution nicht nur stillschweigend hingenommen, sondern sogar begrüßt. In einigen Nationen ist der Widerstand allerdings größer, z.B. in den USA (was zumindest zum Einsetzen politischer Ausschüsse geführt hat, wenn auch nicht gerade mit durchschlagenden Konsequenzen).

§§§§ Die rechtlichen Aspekte sind bei uns relativ klar. Vor dem Gesetz werden in Deutschland Schriften, Ton- und Bildträger als Pornografie eingestuft, wenn sie “zum Ausdruck bringen, dass sie ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung eines sexuellen Reizes bei dem Betrachter abzielen und dabei die im Einklang mit allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschreiten.” (Sonderausschuss des Bundestags für die Strafrechtsreform, BT-Drs. VI/3521 S. 60). Generell ist die Darstellung von Pornografie nicht strafbar, es gibt jedoch eine Reihe von Ausnahmen. Die Verbreitung ist aufgrund des in Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetz verankerten Verbot der Vorzensur ist die Verbreitung von Pornografie grundsätzlich nicht mehr verboten, sondern nur noch aus Gründen des Jugendschutzes stark eingeschränkt.

Es gibt genauso viele Fragen wie verschiedenste Antworten zu diesem Thema.

Ist Pornografie schädlich? Macht Porno süchtig? Und ist Pornografie gar frauenfeindlich?

Viele intelligente Menschen haben unterschiedlichste Arbeiten darüber verfasst und es fällt schwer, aus diesen Schriften Klarheit darüber zu erlangen.

Festgestellt wurde jedoch, das z.B. Vergewaltiger oder andere Sexualstraftäter nicht zu den Porno-Konsumenten zählen. Ebenfalls konnte nicht erkannt werden, das ein sexuell aufgeschlossenes Elternhaus, wo freizügig mit Liebe, Sex oder sogar Pornografie umgegangen wird, Triebtäter fördert. Eher das Gegenteil wurde beobachtet, das eine prüde oder/und streng religiöse Erziehung solche Verbrecher hervorbringt.

Meistens geht es nicht nur um die Erfüllung körperlicher Bedürfnisse, sondern auch seelische Defizite werden damit gestillt. Besonders schlimm verhält es sich mit der Pornografie im Internet. Es wurden Männer beobachtet, welche 5 – 6 Stunden am Tage damit verbringen, pornografisches Material über das Web zu konsumieren. Dieses klare Suchtverhalten bedarf genauso einer Therapie wie Drogen- oder Spielsucht. Gehör finden Betroffene in Foren oder bei Selbsthilfegruppen. Auch Ärzte befassen sich ernsthaft mit dieser Problematik.

Die Frauenfeindlichkeit in Pornofilmen ist ebenfalls ein kontroverses Thema. Es gibt sogar feministische Gruppierungen, die vom Gegenteil überzeugt sind und die Meinung vertreten, das Pornografie die Frauenwelt befreit. Man denke nur an den SM-Bereich. Dort „quälen“ sich Frauen wie Männer gleichermaßen. Die SM-Studios sind fast ausschließlich in der Hand von Frauen.

Und das führt uns zu der Frage was ist gute, eventuell sogar schöne Pornografie. Gibt es offensichtliche Unterschiede und wer legt diese fest?

Hier ist es immer das Auge des Betrachters, das die „Qualität“ misst.

Es gibt bestimmt Unmengen von Schund, abartigem und zum Teil menschenverachtendem Material auf diesem Sektor, doch ist es auch ein Bestandteil unserer Freiheit selbst darüber zu bestimmen, was wir konsumieren.

Schlimm ist in diesem Bereich jedoch das Thema Kinderpornografie, welches zwar ganz klar zu den übleren Straftaten gehört, doch leider viel zu mild geahndet wird. Hier bedarf es erheblicher Verbesserungen durch den Gesetzgeber, da gerade Kinder und Jugendliche kriminellen Geschäftemachern hilflos ausgeliefert sind und die Schäden durch den Missbrauch immer irreparabel sind.

Also lässt sich somit ein vorläufiges Resume erzielen.

Pornografie ist genauso wenig aus unserer Gesellschaft wegzudenken wie Alkohol. Der Umgang damit sollte immer sensibel und unter Rücksichtnahme mit den Mitmenschen erfolgen. Eigenverantwortung und der persönliche Geschmack entscheiden letztendlich über Qualität und Bedürfnisse. Kein Mensch sollte zu Handlungen und Darstellungen gezwungen werden. Porno ist „salonfähig“ geworden und Sex war schon immer eines der wichtigsten Themen auf diesem Planeten.