In der klinischen Praxis werden meist folgende Formen von Autismus unterschieden:

1. Frühkindlicher Autismus
2. Atypischer Autismus
3. Asperger Syndrom (AS)

Geprägt wurde der Begriff Autismus durch den Psychiater Eugen Bleuler. Ein Grundsymptom der Schizophreniedie Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt nannte er Autismus. Der Psychiater Leo Kanner und Kinderarzt Hans Asperger nahmen diesen Begriff unabhängig voneinander auf und benannten so ein Störungsbild eigener Art. Im Unterschied zu Menschen mit Schizophrenie, die sich aktiv in ihr Inneres zurückziehen, beschrieben Kanner und Asperger jeweils Menschen, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben. Damit unterlag der Begriff „Autismus“ einem Bedeutungswandel. Heutzutage wird der Begriff „Autismus“ zur Bezeichnung des von Kanner und Asperger beschriebenen Störungsbildes gebraucht.

Oft bleibt Autismus undiagnostiziert. Die Ausprägungen der Symptome sind außerdem ganz individuell, so dass eindeutige Diagnosen schwierig sind. Autismus ist unter anderem gekennzeichnet durch eine tiefgreifende Beziehungs- und Kommunikationsstörung, die die Betroffenen unfähig macht, zu anderen Personen, selbst zu den eigenen Eltern, ein normales Verhältnis herzustellen.

Kinder mit Autismus können zunächst keine Geste, kein Lächeln und kein Wort verstehen. Sie vermeiden Blick- und Körperkontakt und wirken wie taub.

Sie ziehen sich zurück, kapseln sich “autistisch” ab – daher der Name!

Sie bestehen zwanghaft auf ganz bestimmte Ordnungen oder können ihre Eltern zur Verzweiflung bringen durch exzessives Sammeln diverser Gegenstände, durch ihre Weigerung, besondere Kleidung zu tragen, oder durch Wiederholung der immer selben Verhaltensweisen oder sprachlichen Äußerungen.

Aspies mögen keinen Blickkontakt mit Menschen und sie neigen zum Hyperfocusing. Wenn man sich im Straßenverkehr lediglich auf seine eigenen Füße konzentriert, ist das gefährlich. Wenn man jedoch ein Projekt genauso hartnäckig fokussiert, kann etwas Geniales dabei herauskommen. Weder Funktion noch Form interessiert sie, sondern lediglich, wie etwas gemacht ist.

Generell befinden sich Autisten im normalen bis überdurchschnittlichen IQSpektrum. Natürlich gibt es unter ihnen auch Mehrfach- Behinderte, bei denen eine Intelligenzminderung vorkommen kann.

Viel häufiger wird die Intelligenz von Autisten, egal wo sie im Spektrum liegen, jedoch unterschätzt. Aufgrund ihrer Schwierigkeiten, die Gedankengänge auch nach außen hin auszudrücken oder weil ihre Gedanken ohnehin von vornherein in anderen Bahnen verlaufen.

Anders, aber auf keinen Fall falsch oder dumm, denn nur die Fähigkeit gängige Bahnen zu verlassen, führt zu neuen Entwicklungen und genialen Ideen.

Die Erwartungshaltung, dass ein Autist gleichzeitig ein kleines Genie sein muss, ist eines der positiven Vorurteile im Vergleich zu den geläufigsten Meinungen, welche Dinge ein Autist nicht lernen kann. Jedoch baut sie einen ungeheuren Erwartungsdruck auf, unter dem ein ohnehin schon hochsensibler Autist zusammenbrechen kann. Dies gilt natürlich insbesondere für diejenigen, deren Begabung unter dem Durchschnitt liegt; die gibt es unter Autisten ebenso wie unter der Normalbevölkerung.

In der Arbeitswelt gibt es Bereiche, in denen sich Autisten ganz gut zurecht finden. Eine leichte Form des Autismus kann sogar durchaus als adaptiv gelten. Jedoch sind mit Autismus immer gewisse Schwierigkeiten verbunden, die es selbst einem begabten Autisten oftmals schwer machen, seine Talente produktiv in die Gesellschaft einzubringen, da sich die Interessen von Autisten meist auf bestimmte Gebiete begrenzen. Dennoch besitzen manche von ihnen, auf dem Gebiet ihres besonderen Interesses, außergewöhnliche Fähigkeiten, wie im Kopfrechnen, Zeichnen, in der Musik oder in der Merkfähigkeit. Man spricht dann von einer Inselbegabung (Savant Syndrom), und die, die sie haben, nennt man Autistic Savants. Sie können sich eventuell nicht alleine anziehen, kennen aber komplette Telefonbücher sowie Lexika auswendig.

Zur Zeit sind weltweit etwa 100 Menschen mit Savant-Syndrom bekannt.

Kim Peek kennt angeblich mehr als 12.000 Bücher auswendig, weiß von jeder US-amerikanische Stadt die Postleitzahl, Vorwahl und den Highway, der dorthin führt. Er ist die lebende Vorlage des „Rain Man“, für dessen Darstellung Dustin Hoffman einen Oscar bekam.

Tony De- Blois kann auf dem Klavier etwa 8000 Stücke spielen.

Matt Savage war ein seltsames Kind. Bis er vier war durfte ihn nicht einmal seine Mutter anfassen. Beim kleinsten Geräusch bekam er Schreikrämpfe. Er hat sich mit sechs Jahren mehr oder weniger über Nacht das Klavierspielen selbst beigebracht und begann mit sieben Jahren zu komponieren. Im selben Jahr brachte seine erste CD heraus.

Stephen Wiltshire Die “lebende Kamera”

Der Londoner, ebenfalls als autistisches Kind diagnostiziert, fliegt für die TV-Doku “Expedition ins Gehirn” knapp 45 Minuten lang mit einem Helikopter über Rom. Anschließend mal er ein 5 Meter langes detailgetreues Luftbild-Panorama der „ewigen Stadt“ aus dem Gedächtnis. Stephen ist ein Zeichen-Savant, dem ein ähnliches Kunststück schon in seiner Heimatstadt London gelungen ist